Der Rheingau

Der Rheingau gehört mit einer Rebfläche von 3.100 Hektar zu den kleineren deutschen Anbaugebieten, trotz der geringen Größe dennoch zu den bedeutendsten Weinanbaugebieten in Deutschland. Der Weinbau prägt diese Region wesentlich. Burgen, Klöster und andere Sehenswürdigkeiten gehören neben dem Weinbau zu den Kulturgütern des Rheingaus.

Die Hügel des Rheingaus erstrecken sich rechtsrheinisch von Lorchhausen bis nach Walluf und ziehen sich von der Höhe des Taunus bis hinunter zum  Rheinstrom.

Die Landschaft des Rheingaus kann man in drei Teile aufgliedern:

  1. Direkt am Rhein liegen Dörfer und Weingüter mit den dazugehörigen flachen Weinbergen. Für die Touristen attraktiv sind die vielen historischen Burgen, Kirchen und Klöster.
  2. Über den Weinbergen schließen sich das Rheingaugebirge und der Hinterlandswald an. Die höchste Erhebung des Rheingaus ist mit 619 m ü. M. die „Kalte Herberge“ oberhalb von Hallgarten. Diese Landschaft zeichnet sich aus durch bewaldete Schluchten, Hochmoore und kleineren Bäche.
  3. Inbegriff der Rheinromantik seit zweihundert Jahren ist der Abschnitt zwischen Lorch und Rüdesheim. Hier fließt der Rhein zwischen hohen, teilweise bewaldeten Bergrücken. Die Landschaft ist geprägt von Felsgruppen, bewaldeten Hängen und kleineren Weinbaugebieten mit ihren Ortschaften.

Im Rheingau findet man eine Vielzahl unterschiedlicher Böden:

  • In den höheren Lagen des mittleren und östlichen Rheingaus Quarzitböden.
  • In den tieferen Lagen von Rhein und Main Böden aus Schwemmsedimenten.
  • Am weitesten verbreitet sind Böden aus Lösslehm und Löss.
  • Böden aus Tonschiefer, dem sogenannten Hunsrückschiefer, finden sich am Rüdesheimer Berg und bei Lorch.
  • Bei Assmannshausen, Rauenthal und Kiedrich finden sich Böden aus Phyllit.
  • Die Weinbaugebiete zwischen Rüdesheim und Wicker haben Böden aus Sand, Ton und Tonmergel.

Weinbau

Seit der Zeit Karls des Großen wird im Rheingau Weinanbau betrieben. Rheingauer Rieslinge gehören seit über 100 Jahren zu den weltweiten Spitzenweinen. Nur 2,5 % der deutschen Weinernte werden hier produziert, was jedoch ca. 20 Millionen Liter Wein pro Jahr bedeutet, 85 % davon sind Weißweine. 80 % der Rebsorten sind Rieslingweine, 12,5 % Burgunder und 2 % Müller-Thurgau. Durch die verschiedenen Böden geraten die Weine von elegant bis voll und kräftig.

Die Geschichte des Rheingaus

Im Frankenreich wurde der Rheingau durch Rheingrafen für den König verwaltet. Jedoch schon in der karolingischen Zeit verschaffte sich das Erzbistum Mainz Einfluss auf den Rheingau. Im Juni 983 bekam Erzbischof Willigis beim Reichstag in Verona von Otto II. als Lehen Gebiete von Ingelheim bis Kaub, die Landstriche beiderseits der Nahe und den rechtsrheinischen Rheingau geschenkt. Diese „Veroneser Schenkung“ war Grundlage für das spätere Kurmainz. Hier regierte der Erzbischof als Landesherr. Er drängte den Einfluss des Landgrafen immer mehr zurück und sicherte sich die Abhängigkeit der lokalen Adligen. Ab 1130 besaß Kurmainz unter dem Erzbischof Adalbert I. die alleinige Herrschaft über den Rheingau. Zu diesem Ziel gelangten die Erzbischöfe u.a. auch durch die Gründung von rund ein Dutzend Klöstern wie zum Beispiel Eberbach und Mittelheim.

Bis zum Ende des 18. Jahrhunderts war der Rheingau 600 Jahre lang von einer natürlichen Grenzbefestigung, dem „Rheingauer Gebück“ umschlossen. Diese Grenzbefestigung bestand aus einem 50 – 60 m breiten Waldstreifen aus Buchen, Eichen und Hainbuchen, die in wechselnder Höhe über dem Boden abgeschlagen wurden. Die neu austreibenden Zweige wurden zur Erde „gebückt“ und miteinander verflochten. Dazwischen siedelten sich Brombeer- und Schwarzdornsträucher an, sodass mit der Zeit ein ca. 100 m breites undurchlässiges Gestrüpp entstand, das nur durch vereinzelte bewehrte Tore durchquert werden konnte.

Nach Auflösung des Kurstaates ging 1803 der Rheingau an Nassau-Usingen mit den Ämtern Eltville und Rüdesheim. Nachdem Preußen das Herzogtum annektiert hatte, wurde 1867 der Rheingaukreis innerhalb des Regierungsbezirks Wiesbaden der preußischen Provinz Hessen-Nassau geschaffen. Seit der Rheingaukreis 1977 im Rheingau-Taunus-Kreis aufging, ist der Rheingau keine politische Verwaltungseinheit mehr, nichts desto weniger der Inbegriff einer einzigartigen Kulturlandschaft.

Sehenswürdigkeiten

Zahlreiche Sehenswürdigkeiten sind im Rheingau zu finden, darunter Kirchen, Klöster, Burgen und Schlösser. Manche von ihnen haben ihre eigenen Weingüter, Restaurants oder Hotels. Bekannt sind zum Beispiel in Eltville das Kloster Eberbach, Schloss Reinhartshausen, Schloss Vollrads in Oestrich-Winkel und Schloss Johannisberg in Geisenheim.

Die Rüdesheimer Altstadt ist durch seine Drosselgasse weltberühmt als Inbegriff von Weinseligkeit. Die Altstadt von Eltville wartet mit den Kirche St. Peter und Paul und der kurfürstlichen Burg auf. Dann gibt es noch das gotische Weindorf Kiedrich und das Niederwalddenkmal oberhalb Rüdesheims. Bei Rüdesheim beginnt außerdem das UNESCO-Weltkulturerbe Mittelrheintal.